»Seit Stunden sitzt er in Handschellen gefesselt auf dem Plastikstuhl. Die Männer vom Geheimdienst brüllen ihn an. Sie wollen sein verdammtes E-Mail-Passwort. Das weiße Smartphone haben sie ihm abgenommen. Im Verzeichnis suchen sie nach Telefonnummern von Verbündeten und verfänglichen Textnachrichten. Es ist nicht das erste Mal, dass sie den Softwareentwickler Slim Amamou, 33 Jahre alt, verhaftet haben und im gefürchteten Innenministerium an der Avenue Habib Bourguiba im Zentrum der tunesischen Hauptstadt Tunis festhalten. Von irgendwo weiter den Gang entlang hört Amamou die Schreie einer Frau. Sie haben ihm gesagt, dass sie auch seine Schwester haben. Ein Arzt rennt über den Flur. Draußen muss es längst dunkel sein. Amamou versucht, die Panik zu bekämpfen, einen klaren Kopf zu behalten.«
"Auge um Auge", Neon, 4/2011
Eva Lehnen
Journalistin